Heinz Barta
Homologie
Broschiert, 13 x 21 cm
ISBN 978-3-7097-0282-6
Erscheinungsdatum: 11.10.2021
Lieferbar
inkl. MwSt. zuzügl. Versandkosten
Der griechische Vertrag zählt zu den umstrittenen Fragen des griechischen Rechts. Fritz Pringsheim konstatierte in ›The Greek Law of Sale‹ (1950), der griechische Vertrag »must be re-written, or rather must be written for the first time«. Das Ergebnis solchen Bemühens war die Einsicht, dass es in der griechischen Rechtsentwicklung zu einer frühen Trennung von ›Schuld‹ und ›Haftung‹ sowie zu staatlicher Haftungsanordnung (und damit zu einer Garantie der Durchsetzbarkeit von Gläubigeransprüchen) gekommen war.
Als Grundlage diente die Neuinterpretation des Solonischen Fragments/F 76a (Ruschenbusch), das im Sinne von Adele C. Scafuro (2006) als Fragment »with a Solonian kernal« verstanden wurde. Das römische Recht hat zwar F 76a wörtlich in das Zwölftafel-Gesetz (~ 450 v.) übernommen, war jedoch nicht in der Lage, die solonische Lösung zu erhalten, woran noch die moderne Zivilrechtsdogmatik krankt.
Solons Lösung aus den Jahren 594/593 v. war die Geburtsstunde des europäischen Privat- und Schuldrechts und der damit geschaffene legistische Freiraum ließ die für die griechische Rechtsentwicklung charakteristische Kautelarjurisprudenz entstehen. Solon hat seine politisch-legistischen Zentralwerte (Freiheit, Gleichheit und politische Teilhabe) mit F 76a auf den Vertragsbereich übertragen, was zu Vertragsfreiheit, grundsätzlicher Gleichheit der Vertragspartner und bürgerlich-rechtsgeschäftlicher Teilhabe und als politischer Konsequenz zu sozialer Durchlässigkeit im Sinne von Henry Sumner Maines ›From Status to Contract‹ führte.
Dieses Ergebnis hat einen Paradigmenwechsel zur Folge, dessen Konsequenzen in Ruhe ausgelotet werden sollte.
[...] Ein Buch, das es schafft, ganz wesentliche Erkenntnisse in gut lesbarer und nicht ausufernder Form zu vermitteln und zum Denken anzuregen. Lesenswert!
12.04.2022 - RZ 03/2022, S. 61 f; Mathias Walch
[...] Das vorliegende Werk stellt die umstrittene Frage des antiken griechischen Vertrags und des Vertragsrechts in den Mittelpunkt und gelangt dabei [...] zu einer weitreichenden Neubewertung des griechischen Rechtsbestands und seiner Bedeutung für die gesamteuropäische Rechtsentwicklung.
[...] Das von Heinz Barta rekonstruierte Vertragsrecht im antiken Griechenland weist somit [...] geradezu moderne Züge auf und eröffnete durch den geschaffenen legistischen Freiraum die Basis für die charakteristische Kautelarjurisprudenz in der griechischen Rechtsentwicklung. Angesichts der Bedeutung des Vertrages und der Vertragsgestaltung für die notarielle Tätigkeit sollte eine Beschäftigung mit den diesbezüglichen Grundlagen geradezu als Selbstverständlichkeit erscheinen.
06.05.2022 - nota bene Nr. 175 April 2022, S. 31; Philipp Dobler
[...] Abschließend ist festzustellen, dass es Heinz Barta mit dem vorliegenden Werk auf beeindruckende Weise gelungen ist, praxisrelevante Rechtsinstitute wie Vertrag, Schuld und Haftung in ihren frühesten Entwicklungen auszuleuchten. Dem Leser eröffnet sich ein ganzheitlicherer Zugang zum Recht, als Teildisziplin der Kulturwissenschaften, und man kommt nicht umhin sich zu fragen, warum im Jus-Studium über das griechische Recht bislang kaum ein Wort verloren wird.
27.07.2022 - AnwBl 07-08/2022, S. 400; Karl Wörle
Im Rahmen seiner Arbeiten zum altgriechischen Recht beschäftigt sich Heinz Barta [...] auch mit den Ursprüngen des Vertrags. In seinem Buch [...] fasst Barta nun zusammen, was er zu diesem Thema vereinzelt schon geschrieben hat, vertieft die Analyse zusätzlich und schärft den Blick nicht nur über den Ursprungs des Vertrags, sondern auch über dessen Auswirkung auf Gesellschaft und Politik. Damit liefert Barta für die politische Ideengeschichte wichtige Einsichten in die Entwicklung der (attischen) Demokratie. [...]
10.04.2024 - OZP - Austrian Journal of Political Science 2023, vol. 52, issue 1, S. 59 f; Günther Pallaver
Institut für Zivilrecht der Universität Innsbruck