Maria-Theresa Riederer
Entziehung der persönlichen Freiheit aus medizinischen Gründen
Hardcover, 15 x 23 cm
ISBN 978-3-7097-0330-4
Erscheinungsdatum: 17.04.2023
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Die Möglichkeit zur Entziehung der persönlichen Freiheit aus medizinischen Gründen lässt sich in verschiedenen Gesetzestexten finden. Vor allem das daraus resultierende Spannungsverhältnis zwischen der Wahrung der Grundrechte – insbesondere des Rechts auf persönliche Freiheit und Selbstbestimmung – einerseits sowie des Schutzes der betroffenen Personen vor Selbst- und/oder Fremdgefährdung andererseits werden in dem hier vorliegenden Buch näher beleuchtet und einer umfangreichen verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Prüfung unterzogen.
Ausgehend vom Unterbringungsgesetz, werden neben dem Heimaufenthaltsgesetz auch in anderen gesundheitspolizeilichen Vorschriften – Tuberkulosegesetz, Epidemiegesetz und Geschlechtskrankheitengesetz – enthaltenen Freiheitsbeschränkungen untersucht. Diese Gesetze werden mit dem UbG in Vergleich gesetzt, um so Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszufiltern und auf ihre Sinnhaftigkeit hin zu hinterfragen. Im Zusammenhang mit den Ausführungen zum EpiG wird auch auf die vom Nationalrat verabschiedeten COVID-19-Gesetze und Verordnungen vertieft‚ eingegangen.
Das umfangreiche Werk ist eine tiefgehende und juristisch fundierte Analyse eines äußerst komplexen und zugleich hochsensiblen Themas. Die Autorin beleuchtet die rechtlichen Rahmenbedingungen und ethischen Implikationen der Freiheitsentziehung in medizinischen Kontexten und bietet damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Diskussion rund um die Abwägung zwischen individueller Freiheit und dem Schutz des Lebens bzw. der Gesundheit.
Riederers Buch überzeugt durch eine klare Struktur und eine detaillierte Analyse, die sowohl theoretisch fundiert als auch praxisorientiert ist. Sie bezieht sich auf konkrete Fälle und Fallbeispiele, was es den Lesern ermöglicht, die komplexen juristischen Regelungen besser zu verstehen. Die Autorin diskutiert auch die ethischen Dilemmata, die sich aus der Entziehung der persönlichen Freiheit ergeben, und stellt die Frage in den Raum, wie das Gleichgewicht zwischen Schutz und Freiheit zu finden ist.
Besonders wertvoll ist die interdisziplinäre Herangehensweise, bei der rechtliche, medizinische und ethische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Dies macht das Buch zu einer wichtigen Ressource für Juristen, Mediziner und Ethiker, aber auch für alle, die in der Gesundheits- und Sozialpolitik tätig sind.
Durch die gründliche juristische Analyse und den Bezug zu realen Fallbeispielen gelingt es der Autorin, das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und staatlicher Schutzpflicht klar herauszuarbeiten. Für Fachleute und Interessierte im Bereich des Medizinrechts und der Menschenrechte ist dieses Buch ein wertvolles und unverzichtbares Nachschlagewerk.
12.11.2024 - Blickpunkte 4/2024, S. 50; Markus Drechsler